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Beitrag gesendet am 12.10.2006 von Ernst Frieden
 
Re: Stellungnahme

Hallo Ooops

Zuerst möchte ich mich bedanken für ihre sehr ausführliche Antwort. Nochmals vielen Dank.
Mit dem ersten Teil der allgemeinen Stellungsnahme bin ich voll einverstanden.
Ich möchte aber zuerst zum letzten Satz ihrer Antwort Stellung nehmen "Völkerrecht".

Wir sind wohl dazu verpflichtet, uns ans Kriegsvölkerrecht und andere Konventionen zu halten. Es ist sicher möglich mein Konzept so zurechtzubiegen, dass es einer Prüfung standhalten würde. Das ist aber nicht wirklich ernst gemeint. Unser wichtigstes Ziel muss die Unabhängigkeit der Schweiz sein! Was soll das Theater mit der Kennzeichnung der Kämpfer, das offene tragen der Waffen und was auch immer. Halten sich die USA, Grossbritannien und vor allem Israel an solche Konventionen? Was ist mit Guantanamo, was soll man von der Israelischen Besatzungspolitik in Palästina halten? Den täglichen Vertreibungen und Ermordungen der Palästinenser? Ist das etwa durch die Genfer Konvention gedeckt? Der Israelische Einsatz von Clusterbomben in den letzten 3 Kriegstagen im Libanon ist nur der letzte grosse Verstoss. Diese Verstösse werden ja nur geduldet, weil es niemand im Westen mit den USA und Israel verscherzen will. Würden die Araber so handeln, wäre die nächste UN Sicherheitsrat Resolution sicher schon unterwegs.
In einem Krieg müssen wir genau das machen, was für uns das richtige ist! Es darf niemals so herauskommen wie es zum Beispiel in Palästina ist. Ein Volk, die Palästinenser, äusserst schlecht ausgerüstet, ausgehungert durch die Israelische Besatzungspolitik, unterdrückt seit Jahrzehnten mit brutalsten Mitteln, nimmt den legalen bewaffneten Kampf gegen einen übermächtigen Feind auf. Der Preis, den die palästinensischen Widerstandskämpfer bezahlen ist extrem hoch. Ihr Einsatz endet meisten mit dem Tod. So etwas gilt es bei uns unter allen Umständen zu verhindern, darum muss der Widerstand wenigstens minimal vorbereitet werden!

Die Einwände die sie gegen mein Konzept haben, werde ich der Reihe nach beantworten.

Punkt 1
Gegen diesen Punkt habe ich fast nichts einzuwenden, ausser dem letzten Teil. Die Widerstandsarmee kann einen begrenzten Schutz bieten. Ein Gegner, der aber mit voller Kraft gegen die Zivilbevölkerung vorgeht, kann nicht gestoppt werden. Wäre das Land nach einem symmetrischen Krieg teilbesetzt oder gar ganz besetzt, hätte ein Gegner freie Hand gegen die Zivilbevölkerung. Mit meinem Konzept ist zumindest ein sehr grosser Teil der Bevölkerung gut ausgerüstet und kann mit den Waffen umgehen. Die Palästinenser erfahren Tag täglich, was es heisst, unter einer Besatzungsmacht zu vegetieren. Die hatten 1967 auch weder Widerstandsarmee noch eine Bewaffnung. Das Resultat sieht man heute. Tausendfacher Tod, Vertreibung und zu tausenden sitzen die, die sich mit Waffen wehrten in den Israelischen Lagern.

Punkt 2
Ich plane einen möglichen Kampf nur in groben Zügen. Ich setze für die verschiedenen Waffen 3 Distanzen, teile die Waffen entsprechend den Möglichkeiten ein und bringe ein paar Beispiele.
Es erscheint mir sehr wichtig, dass man ein Grundkonzept hat. Was heute Sinn macht, kann morgen schon out sein. Wenn die Widerstandsarmee nach meinem Kampfgrundsätzen ausgebildet wird, heisst das noch lange nicht, dass sie dann nach meinem Konzept eingesetzt werden muss, das mittlerweile mehr als 3 Jahre alt ist.
Die Grundausbildung an einem Sturmgewehr und an einer Panzerfaust, wie auch an den anderen Waffen ändert sich nicht, wenn das Einsatzverfahren laufend den neuen Gegebenheiten angepasst wird. Im Gegensatz zu einer konventionellen, grossen mit schweren Waffen ausgerüsteten Armee, die ihre Einsatzverfahren unmöglich in ein paar Tagen ändern kann, kann eine gut ausgerüstete, ausgebildete und hochmotivierte Widerstandsarmee, die dazu noch sehr gut in der Bevölkerung verankert ist, sich extrem schnell neuen Situationen anpassen.
Da liegt ja gerade die Stärke meines Konzeptes. Die Grundausbildung wird gemacht, taktische Grundsätze werden vermittelt und am Schluss können die Kämpfer taktisch richtig eingesetzt werden.
In meinem Konzept setze ich bewusst auf unsere eigenen Waffen. Diese Waffen sind zum Teil sehr billig herzustellen. Vor allem, wenn man sie in riesigen Stückzahlen herstellt. Wie ich auch schreibe, werden fast alle Waffen verteilt, die in den Lagern sind. Volle Lager machen keinen Sinn. Es muss fast alles draussen sein, wenn möglich in Unmengen, sodass eine Versorgungsautonomie von mehreren Monaten besteht.
Dies kommt natürlich auch auf die Kriegsintensität an.
Fremde, erbeutete Waffen sind natürlich sehr willkommen, nur man muss dann damit auch umgehen können. Der Widerstand darf sich aber keinesfalls nur auf Waffen abstützen, die er beim Gegner erbeutet.

Punkt 3
Ich behaupte nach wie vor, dass sich die Schweiz in einer Situation wie 1939-1945 nicht selbst mit einer konventionellen Armee verteidigen kann. Es wäre vielleicht annähernd möglich mit einer extrem grossen und sehr feuerstarken Armee einen Gegner möglichst lange aufzuhalten. Am Ende aber muss man sicher abwägen; will man eine Schweiz, die nur noch aus Schutthaufen, Minefeldern und hunderttausenden von Toten und Verletzten besteht und unabhängig ist. Oder lässt man eine Besatzung zu, die Jahre dauern kann, unter Umständen nicht das ganze Land zerstört, eventuell weniger Opfer fordert und vor allem einen Gegner Unsummen kostet und ihn am Ende ausblutet. Will ein Gegner unsere Achsen und weiss er Bescheid über unsere Armee, wird er entsprechend unserer Armee seine Angriffsmacht zusammenstellen. Uns fehlt es auch an der Tiefe des Raumes. Wir müssten den Kampf eigentlich ab Landesgrenze aufnehmen.

Ich möchte weiter zu bedenken geben, dass wir, mit unseren Ausrüstungslücken in mehreren Bereichen der Armee und mit unserer kleinen Luftwaffe, die nur auf 4 Kriegsflugplätzen stationiert ist, heute eine eher jämmerliche Figur machen. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie unser Parlament im heutigen Umfeld unsere Armee auf einen kriegseinsatztauglichen Stand bringen könnte. Das würde zudem mehrere Jahre dauern. Die Armeereform 8/11 ist ja zum Glück gestorben. Dort war das Aufwuchskonzept ja vorgesehen. Es soll mir mal einer sagen, wie die Situation in 5 bis 10 Jahren aussehen wird. Mit der Annahme dieses Konzeptes wäre die Situation noch viel schlimmer geworden. So muss wenigstens die Armeeführung nochmals über die Bücher.

Motivation
An der Motivation unserer Soldaten im Ernstfall zweifle ich keinen Moment. Ich bin überzeugt, das ist ein riesiger Vorteil gegenüber dem Angreifer. Wir verteidigen unser Land und sind auch voll legitimiert dazu.

Führung
Was die Führung anbelangt, so hoffe ich doch sehr, dass man oben im richtigen Moment auch die richtigen Schlüsse ziehen wird. Ob das schon heute schon der Fall ist, bezweifle ich sehr.

Ausbildung
Wir brauchen keine Berufsarmee! Die Armee muss so breit wie möglich in der Bevölkerung abgestützt werden. Berufsmilitärs sind nur in kleinem Umfang nötig, etwa so, wie es heute ist.

Ausrüstung
Stimme ich mit ihrer Feststellung überein.

Zahlenmässige Überlegenheit
Kann ich nur zustimmen, wenn die Armee richtig ausgerüstet und auch richtig geführt wird. Mit dem kleinen Vorbehalt, dass ich nicht glaube, dass wir am Ende mit einer konventionellen Armee unser Land auch wirklich schützen können.
Wir sind nicht fähig verlorenes Material zu ersetzen. Die Schweiz hat ihre begrenzte Rüstungsautonomie aufgegeben oder ist daran auch noch den letzten Rest nächstes Jahr zu verkaufen (Grosskaliberbereich der RUAG).

3. Zusammenfassung
Leider muss man sich mit der Situation der Armee, wie sie heute ist, mehr oder weniger abfinden. Es macht keinen Sinn, sich als Minderheit für etwas einsetzen, das im Moment einfach chancenlos ist. Da verpulvert man nur sinnlos seine Kräfte. Ich denke, Alternativen sind gefragt.
Ist einmal die Basis für eine starke Armee im Volk wieder geschaffen, wird sich eine starke Armee mit Sicherheit auch wieder aufbauen lassen. Im Moment ist dies noch nicht der Fall.

Ernst Frieden


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Die Inhalte auf Ihrer Hompage zu lesen, war sehr interessant (manchmal auch etwas erschreckend / amüsant). Persönlich habe ich vor allen ehemaligen oder aktiven Fallschirmaufklärern grossen Respekt und ich bin mir sicher, dass Sie über das Geschriebene gut Bescheid wissen. Auch ich bin davon überzeugt, dass die anhaltende Friedensperiode in Europa nicht für immer anhalten wird. Es gab immer eine Zeit des Friedens (inder alle das Gefühl hatten, der letzte Krieg währe der Allerletzte gewesen) und eine Zeit des Krieges (inder dekadente Gesellschaftsformen zerstört und aus der Asche anfänglich bessere Gesellschaftsformen aufgebaut wurden). Das Tragische ist nur, dass sich dieses Szenario immer und immmer wieder wiederholte und es bissher keiner Gesellschaft gelungen ist, dies zu erkennen und aus diesem Teufelskreis auszubrechen (man sehe in die Geschichtsbücher). Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass es in Zukunft auch in Europa wieder einen sog. symmetrischen Krieg geben wird,in dem wohlgemerkt auch die Schweiz betroffen sein wird. Dabei spielen (wie auf dieser Hompage mehrfach angedeutet) die überaus wichtigen Transversalen durch die Schweiz eine wichtige Rolle. Kein Angreifer, der Europa besetzten will, kann es sich leisten, auf so leistungsfähige und strategisch wichtige Verkehrswege zu verzichten (da Mobilität bzw. Schnelligkeit und Logistik bei modernen Armeen eine immer grössere Rolle spielen).

Aber gegen Ihr Konzkept habe ich trotzdem Einwände:


1.Der grösste Nachteil einer Widerstandsarmee ist der, das man sie nur in besetztem Gebiet gebrauchen kann. Die Aufgabe einer Armee sollte es jedoch sein, einen Gegner an der Besetzung eines Landes zu hindern. Nur so kann die Bevölkerung wirkungsvoll vor Übergriffen des Feindes geschützt werden. Eine Widerstandsarmee bietet der Bevölkerung keinen Schutz (sie gefährdet sie eher)!


2. Ist es sinnvoll, den Widerstandskampf schon im Vornherein so genau zu planen? Sie wissen ja nicht, gegen wen sich dieser Widerstand einmal richten sollte. Jede Armee hat eine andere Taktik im Anti-Guerilliakampf. Die Einen setzen auf brutale Repressalien (wie z.B. die Deutschen im 2.WK), die Anderen versuchen, das "Herz und die Seele" der Menschen zu gewinnen (z.B. die Briten). Beide Taktiken hatten manchmal Erfolg, manchmal nicht.
Deshalb ist es nicht so einfach, eine Widerstandsarmee aufzubauen. Dafür braucht es gut ausgebildete Spezialisten (wie z.B. die amerikanischen Green Berets). Diese müssen ins besetzte Gebiet infiltrieren, dort das Vertrauen der Menschen gewinnen und mit der Bildung einer, je nach Lage, zur Verfügung stehenden Mitteln, Geographie usw. massgeschneiderten Widerstandszelle beginnen. Daraus entwickelt sich dann langsam so etwas wie die angestrebte Widerstandsarmee. Sie hat jedoch unzählige kritische Faktoren (einige davon wurden in diesem Forum bereits kritisch beleuchtet), die berücksichtigt werden müssen, wenn sie nicht nur Terror verbreiten, sondern wirklich etwas nützen soll. Diese Faktoren sind von Gegner zu Gegner unterschiedlich und daher nicht vorhersehbar. Eine "Widerstandsarmee" darf niemals zu sehr ausgearbeitet und vorbereitet sein. Damit nimmt sie sich selbst die Flexibilität, jederzeit auf die herrschenden Umstände zu reagieren. Es macht z.B. keinen grossen Sinn, sich nur auf die Waffen der Schweizer Armee zu konzentrieren. Einige Waffenverstecke für die ersten Überfälle sind sicherlich sinnvoll. Danach muss der Gegner aber mit seinen eigenen (zurückgelassenen oder gestohlenen) Waffen bekämpft werden. Damit macht man sich logistisch unabhängig d.h. man ist nicht sofort machtlos, wenn es dem Gegner gelingt, den Munitionsnachschub zu unterbinden.
Dennoch lohnt es sich bestimmt, sich über einen möglichen Widerstand Gedanken zu machen und später die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Aber eine einzig richtige, planbare Lösung, wie von Ihnen vorgeschlagen, wird kaum erfolgreich sein.
Zudem darf man nicht blauäugig sein und denken, asymetrische Kriegführung hätte immer Erfolg gehabt (auch hier lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher)! Der Widerstandskampf ist kein Allheilmittel, sondern die letzte (und manchmal erfolgsversprechende) Option der symmetrisch Unterlegenen.


3.Sie behaupten, die Schweiz könne sich mit symmetrischen Mitteln nicht genügend zur Wehr setzten. Das stimmt nicht! Sie argumentieren, dass in einem symmetrische ausgetragenen Konflikt automatisch die zahlenmässig und technisch überlegene Partei gewinnt. Dies ist ein Irrtum! Es kommt vor allem auf die Motivation und die Führung einer Armee an. Natürlich spielen auch die Ausbildung und Ausrüstung, sowie die zahlenmässige Überlegenheit eine Rolle.

Motivation: Dank der Neutralität hat der Schweizer Soldat in jedem Fall das Recht auf seiner Seite. Er führt keinen Angriffskrieg auf fremdem Boden, sondern verteidigt als Milizsoldat sein eigenes Land. Damit meine ich nicht die patriotischen Flosklen vom Vaterland, sondern das Leben und den Besitz von sich und seinen Angehörigen. Dies wird für alle Bürger dieses Landes Grund genug sein, hart zu kämpfen.

Führung: Die Schweizer Armee hat Heimvorteil. Wir kennen unser Gelände und das Wetter genau. Ausserdem ist unsere Gliederung, Taktik und Strategie genau auf unsere Verhältnisse ausgerichtet.

Ausbildung: Viele Staaten haben eine Berufsarmee. Deshalb wird behauptet, der Milizsoldat habe gegenüber dem besser ausgebildeten Berufssoldat einen grossen Nachteil. Zu bedenken ist aber, dass alle Armeen in einem grösseren Konflikt auf Wehrpflichtige angewiesen sind. Wehrpflichtige gut und gleichzeitig innerhalb kurzer Zeit auszubilden ist sehr schwierig. Dafür braucht es viel Erfahrung und Konzepte, die bei uns schon lange vorhanden sind. Ausserdem ist unsere Ausbildung nicht schlechter als die vieler Berufsmilitärs. Bei uns gibt es nur mehr Funktionen, damit nicht jeder alles, dafür das Gelernte wirklich beherrscht.

Ausrüstung: Wenn eine Armee supermodern ausgerüstet ist, heisst das noch lange nicht, dass sie auch gut ausgerüstet ist! Natürlich muss mit der technischen Entwicklung Schritt gehalten werden, aber die verschiedenen Rüstungsgüter müssen vor allem zweckmässig sein. Ausserdem haben alle Armeen finanzielle Grenzen.

zahlenmässige Überlegenheit: Keine Armee der Welt hat unbeschränkte Ressourcen. Aber um Europa einzunehmen, braucht es sehr viele Soldaten. Deshalb wird ein möglicher Gegner die Schweiz nur mit einer beschränkten Anzahl von Truppen angreifen können. Und die kriegsmässig mobilisierte Schweizer Armee kann es im Verteidigungskampf mit einer dreifach überlegenen Armee aufnehmen.

3.Ich weiss, dass es momentan mit unsere Armee nicht zu besten steht, da man sich im Planungsstab der Armee lieber auf subsidiäre Sicherungseinsätze, Raumsicherung und Friedensförderung im Ausland, anstatt auf die Landesverteidigung konzentriert. Vieles, was ich in Punkt 2 aufgelistet habe, spricht für unsere Armee. Aber es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schweizer Armee schnellstens einen Sinnungswandel braucht, wenn man nicht die Sicherheit und Zukunft dieses Landes gefährden will. Ich würde Ihnen und allen Lesern dieser Zeilen vorschlagen, sich lieber für die bestehende Schweizer Armee einzusetzen, als für eine fragwürdige Widerstandsarmee, die schon in der Planungsphase gegen die Völkerrechte verstösst...

Mit freundlichen Grüssen

 

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© Ernst Frieden, Langnau am Albis, Juli 2003
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