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Beitrag gesendet am 10.10.2006 von Ooops
 
Stellungnahme
Die Inhalte auf Ihrer Hompage zu lesen, war sehr interessant (manchmal auch etwas erschreckend / amüsant). Persönlich habe ich vor allen ehemaligen oder aktiven Fallschirmaufklärern grossen Respekt und ich bin mir sicher, dass Sie über das Geschriebene gut Bescheid wissen. Auch ich bin davon überzeugt, dass die anhaltende Friedensperiode in Europa nicht für immer anhalten wird. Es gab immer eine Zeit des Friedens (inder alle das Gefühl hatten, der letzte Krieg währe der Allerletzte gewesen) und eine Zeit des Krieges (inder dekadente Gesellschaftsformen zerstört und aus der Asche anfänglich bessere Gesellschaftsformen aufgebaut wurden). Das Tragische ist nur, dass sich dieses Szenario immer und immmer wieder wiederholte und es bissher keiner Gesellschaft gelungen ist, dies zu erkennen und aus diesem Teufelskreis auszubrechen (man sehe in die Geschichtsbücher). Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass es in Zukunft auch in Europa wieder einen sog. symmetrischen Krieg geben wird,in dem wohlgemerkt auch die Schweiz betroffen sein wird. Dabei spielen (wie auf dieser Hompage mehrfach angedeutet) die überaus wichtigen Transversalen durch die Schweiz eine wichtige Rolle. Kein Angreifer, der Europa besetzten will, kann es sich leisten, auf so leistungsfähige und strategisch wichtige Verkehrswege zu verzichten (da Mobilität bzw. Schnelligkeit und Logistik bei modernen Armeen eine immer grössere Rolle spielen).

Aber gegen Ihr Konzkept habe ich trotzdem Einwände:


1.Der grösste Nachteil einer Widerstandsarmee ist der, das man sie nur in besetztem Gebiet gebrauchen kann. Die Aufgabe einer Armee sollte es jedoch sein, einen Gegner an der Besetzung eines Landes zu hindern. Nur so kann die Bevölkerung wirkungsvoll vor Übergriffen des Feindes geschützt werden. Eine Widerstandsarmee bietet der Bevölkerung keinen Schutz (sie gefährdet sie eher)!


2. Ist es sinnvoll, den Widerstandskampf schon im Vornherein so genau zu planen? Sie wissen ja nicht, gegen wen sich dieser Widerstand einmal richten sollte. Jede Armee hat eine andere Taktik im Anti-Guerilliakampf. Die Einen setzen auf brutale Repressalien (wie z.B. die Deutschen im 2.WK), die Anderen versuchen, das "Herz und die Seele" der Menschen zu gewinnen (z.B. die Briten). Beide Taktiken hatten manchmal Erfolg, manchmal nicht.
Deshalb ist es nicht so einfach, eine Widerstandsarmee aufzubauen. Dafür braucht es gut ausgebildete Spezialisten (wie z.B. die amerikanischen Green Berets). Diese müssen ins besetzte Gebiet infiltrieren, dort das Vertrauen der Menschen gewinnen und mit der Bildung einer, je nach Lage, zur Verfügung stehenden Mitteln, Geographie usw. massgeschneiderten Widerstandszelle beginnen. Daraus entwickelt sich dann langsam so etwas wie die angestrebte Widerstandsarmee. Sie hat jedoch unzählige kritische Faktoren (einige davon wurden in diesem Forum bereits kritisch beleuchtet), die berücksichtigt werden müssen, wenn sie nicht nur Terror verbreiten, sondern wirklich etwas nützen soll. Diese Faktoren sind von Gegner zu Gegner unterschiedlich und daher nicht vorhersehbar. Eine "Widerstandsarmee" darf niemals zu sehr ausgearbeitet und vorbereitet sein. Damit nimmt sie sich selbst die Flexibilität, jederzeit auf die herrschenden Umstände zu reagieren. Es macht z.B. keinen grossen Sinn, sich nur auf die Waffen der Schweizer Armee zu konzentrieren. Einige Waffenverstecke für die ersten Überfälle sind sicherlich sinnvoll. Danach muss der Gegner aber mit seinen eigenen (zurückgelassenen oder gestohlenen) Waffen bekämpft werden. Damit macht man sich logistisch unabhängig d.h. man ist nicht sofort machtlos, wenn es dem Gegner gelingt, den Munitionsnachschub zu unterbinden.
Dennoch lohnt es sich bestimmt, sich über einen möglichen Widerstand Gedanken zu machen und später die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Aber eine einzig richtige, planbare Lösung, wie von Ihnen vorgeschlagen, wird kaum erfolgreich sein.
Zudem darf man nicht blauäugig sein und denken, asymetrische Kriegführung hätte immer Erfolg gehabt (auch hier lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher)! Der Widerstandskampf ist kein Allheilmittel, sondern die letzte (und manchmal erfolgsversprechende) Option der symmetrisch Unterlegenen.


3.Sie behaupten, die Schweiz könne sich mit symmetrischen Mitteln nicht genügend zur Wehr setzten. Das stimmt nicht! Sie argumentieren, dass in einem symmetrische ausgetragenen Konflikt automatisch die zahlenmässig und technisch überlegene Partei gewinnt. Dies ist ein Irrtum! Es kommt vor allem auf die Motivation und die Führung einer Armee an. Natürlich spielen auch die Ausbildung und Ausrüstung, sowie die zahlenmässige Überlegenheit eine Rolle.

Motivation: Dank der Neutralität hat der Schweizer Soldat in jedem Fall das Recht auf seiner Seite. Er führt keinen Angriffskrieg auf fremdem Boden, sondern verteidigt als Milizsoldat sein eigenes Land. Damit meine ich nicht die patriotischen Flosklen vom Vaterland, sondern das Leben und den Besitz von sich und seinen Angehörigen. Dies wird für alle Bürger dieses Landes Grund genug sein, hart zu kämpfen.

Führung: Die Schweizer Armee hat Heimvorteil. Wir kennen unser Gelände und das Wetter genau. Ausserdem ist unsere Gliederung, Taktik und Strategie genau auf unsere Verhältnisse ausgerichtet.

Ausbildung: Viele Staaten haben eine Berufsarmee. Deshalb wird behauptet, der Milizsoldat habe gegenüber dem besser ausgebildeten Berufssoldat einen grossen Nachteil. Zu bedenken ist aber, dass alle Armeen in einem grösseren Konflikt auf Wehrpflichtige angewiesen sind. Wehrpflichtige gut und gleichzeitig innerhalb kurzer Zeit auszubilden ist sehr schwierig. Dafür braucht es viel Erfahrung und Konzepte, die bei uns schon lange vorhanden sind. Ausserdem ist unsere Ausbildung nicht schlechter als die vieler Berufsmilitärs. Bei uns gibt es nur mehr Funktionen, damit nicht jeder alles, dafür das Gelernte wirklich beherrscht.

Ausrüstung: Wenn eine Armee supermodern ausgerüstet ist, heisst das noch lange nicht, dass sie auch gut ausgerüstet ist! Natürlich muss mit der technischen Entwicklung Schritt gehalten werden, aber die verschiedenen Rüstungsgüter müssen vor allem zweckmässig sein. Ausserdem haben alle Armeen finanzielle Grenzen.

zahlenmässige Überlegenheit: Keine Armee der Welt hat unbeschränkte Ressourcen. Aber um Europa einzunehmen, braucht es sehr viele Soldaten. Deshalb wird ein möglicher Gegner die Schweiz nur mit einer beschränkten Anzahl von Truppen angreifen können. Und die kriegsmässig mobilisierte Schweizer Armee kann es im Verteidigungskampf mit einer dreifach überlegenen Armee aufnehmen.

3.Ich weiss, dass es momentan mit unsere Armee nicht zu besten steht, da man sich im Planungsstab der Armee lieber auf subsidiäre Sicherungseinsätze, Raumsicherung und Friedensförderung im Ausland, anstatt auf die Landesverteidigung konzentriert. Vieles, was ich in Punkt 2 aufgelistet habe, spricht für unsere Armee. Aber es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schweizer Armee schnellstens einen Sinnungswandel braucht, wenn man nicht die Sicherheit und Zukunft dieses Landes gefährden will. Ich würde Ihnen und allen Lesern dieser Zeilen vorschlagen, sich lieber für die bestehende Schweizer Armee einzusetzen, als für eine fragwürdige Widerstandsarmee, die schon in der Planungsphase gegen die Völkerrechte verstösst...

Mit freundlichen Grüssen



 

Antworten:
12.10.2006   Re: Stellungnahme, Ernst Frieden


 
© Ernst Frieden, Langnau am Albis, Juli 2003
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