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Beitrag gesendet am 07.08.2004 von Udo Süßner
 
Kritik

Sehr geehrter Herr Frieden,

mit Interesse habe ich Ihren Bericht des organisierten Chaos im modernen
Krieg gelesen. Grundsätzlich ist die Idee des Widerstandes durch die
Bevölkerung sehr zu begrüßen und ich stimme mit Ihnen in einigen Punkten
überein.
Leider halte ich Ihren Bericht auch etwas für zu blauäugig. Meiner Meinung
nach setzt er einige Punkte als gegeben voraus, die nicht unbedingt gegeben
sind, und er vergisst einige Punkte im Verhalten des Aggressors, die jedoch
vernichtend für die Widerstandsarmee sein werden.
So setzen Sie die uneingeschränkte Loyalität der schweizerischen Bevölkerung voraus, wovon nicht in vollem Umfang ausgegangen werden darf.
Auch in der Schweiz ist damit zu rechnen, daß viele Bürger in Krisenzeiten
zuerst an den eigenen Vorteil denken, mit dem Feind kooperieren und die
eigenen Leute ans Messer liefern. Hinzu kommen die minderbegabten, die der
Feind entweder mit Druck oder Täuschung für sich einspannen kann.
Nicht zu vergessen, daß nicht jeder zum Helden geboren ist und versuchen
wird sich solange wie möglich aus dem Konflikt heraus zu halten, oder gar
durch Flucht in einen Nachbarstaat sich seiner Pflichten entzieht.
Ebenso ist der hohe Ausländeranteil zu berücksichtigen, der entweder eigene
politische, oder religiöse Interessen vertritt und sich durch den Feind
gefördert sieht, oder dem das Schicksal der Schweiz doch wenig bedeutet, da
auch er zum großen Teil bereit ist den Kriegsschauplatz durch Flucht zu
verlassen. Somit sehe ich Ihren geplanten Bestand an Personal pro Dorf und
Stadt als stark reduziert.
Auch stimme ich nicht mit Ihnen überein, daß es keiner übergeordneten
Führung bedarf.
Sicher ist eine große Souveränität und Flexibilität der einzelnen
Aktionsgruppen Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf von Einzelaktionen, jedoch kann mit Nadelstichaktionen der Feind nicht geworfen werden.
Schließlich setzen auch Sie eine geschlossene Feuer- und Aktionskraft
voraus, um einen schnellen Sieg zu erringen.
Eine koordinierende übergeordnete Führung ist deshalb notwendig um
entscheidende Aktionen zu starten, wenn der Feind geschwächt und
demoralisiert ist und der Sieg erreicht werden kann, denn NUR durch
Widerstand ist kein Sieg zu erringen. Es wird dem Gegner zwar unmöglich
gemacht zu siegen, selbst aber gewinnt man den Krieg ebenfalls nicht. Ebenso ist es ein Grundsatz des Widerstandes, daß der Kampf sich solange wie
möglich ausdehnt, damit der überlegene Feind seine Ressourcen verschleißt
und die Moral der Truppe zerfällt, sowie der Rückhalt der feindlichen Armee
durch seine eigene Bevölkerung schwindet.
Auch verhindert eine solche Führung die Entstehung von sogenannten
Warlords (siehe Afghanistan), die nach erfolgreichem Kampf nicht im Traum
daran denken die gewonnene Macht an irgendein politisches System abzugeben, welches ganz andere Interessen vertritt.
Auch unterschätzen Sie den Feind. Nach Ihren Darstellungen dringt ein nicht
ausreichend vorbereiteter Aggressor in die Schweiz ein, der eigentlich nicht
so recht weiß, was er hier soll und will.
Davon ist grundsätzlich nicht auszugehen.
Eher ist damit zu rechnen, daß er das Land schnellstmöglichst zu besetzen
sucht, eine neue Regierung installiert, jede Form des zivilen und
militärischen Widerstand stören, bekämpfen und vernichten wird.
Er wird versuchen die Bevölkerung, die ja den Schwerpunkt Ihrer
Widerstandsarmee darstellt, für sich zu gewinnen. Dies geschieht durch
Schmeicheleien, Täuschung und Druck. Es ist davon auszugehen, daß er hier
einige Erfolge erzielen wird. Die Schwächen einiger Mitglieder der
Bevölkerung habe ich Ihnen oben schon genannt. Ihre Widerstandsarmee muß ständig mit Infiltration und Verrat rechnen. Gegenseitiges Mißtrauen der
einzelnen Städte und Dörfer untereinander wird an Stelle der von Ihnen vorausgesetzten Loyalität treten.
Auch wird sich der Feind nicht so einfach durch Ihre geplanten Aktionen eine
blutige Nase holen und die Trupps einfach entwischen lassen. Er wird sie an
der Aktionsstelle zu binden, und durch angeforderte Unterstützung den
Widerstand zu zerschlagen suchen. Ebenso wird er sofort Nachsetzten,
verdächtige Dörfer und Städte durchsuchen und bei Verdacht des Terrorismus zerstören. Auch die Verwundetenbergung, die Sie als Hinderungsgrund
feindlicher Gegenwehr sehen, wird der Bekämpfung des schweizerischen
Widerstandes hinten anstehen müssen. Der Feind wird alle Aktionen als
Terrorakte sehen und damit seine rücksichtslosen und opferintensiven
Repressalien rechtfertigen.
Mit solchen Maßnahmen ist immer zu rechnen, wenn sich der Feind, wie Sie es fordern, ständig und überall bedroht fühlt.
Durch die von Ihnen vorausgesetzte bedingungslose Loyalität aller Schweizer
und die vermutete Dummheit des Feindes werden Sie mit Sicherheit einen
kurzen Kampf führen, jedoch wird der Sieger ein anderer als der von Ihnen
geplante sein.
Gerne lerne ich dazu und freue mich über eine Antwort von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Süßner

 

Antworten:
09.08.2004   Re: Kritik, Ernst Frieden


 
© Ernst Frieden, Langnau am Albis, Juli 2003
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