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Beitrag gesendet am 02.07.2004 von Ernst Frieden
 
Re: Auseinandersetzung mit der

Langnau a/A, den 2. Juli 2004

Meine Stellungnahme

Bedrohungslage:
Ich habe diese Bedrohungslage gewählt, weil sie mir am realistischen von allen möglichen Szenarien erscheint. In diesem Fall wären unsere nächsten Nachbarn der Gegner, der uns besetzen will.
Im Moment ist diese Bedrohungslage sicher nicht gegeben. Auch für die nächsten Jahre ist es mehr oder weniger nicht vorstellbar, dass dieser Bedrohungsfall eintreten wird. Wie sie aber richtig schreiben, wer weiss schon was in 20 Jahren ist.


Aufklärung:
Ob ein Gegner 24 Stunden Aufklärung betreiben kann oder ob er es auch macht, kann ich nicht beurteilen. Dass Israel und die USA mit ihren modernen Drohnen während längerer Zeit Missionen fliegen können, ist eine Tatsache. Dass sie auch erfolgreich sind, ist unbestreitbar.
Da wir nicht mit Sicherheit feststellen können, wann und wo sie fliegen, kann ich es nicht riskieren, offen Aktionen auszuführen. Darum die Annahme, die Aufklärung wird während 24 Stunden am Tag betrieben.


Ausrüstung:
Bei der Wahl der Waffen für die Kurze Distanz, habe ich mich durch folgende Überlegungen leiten lassen:
- Leicht zu erlernende Bedienung
- Keinen grossen organisatorischen Aufwand beim Einsatz.
- Die Waffen können einzeln eingesetzt werden
- Im Notfall, reicht auch eine Person, um die Waffe einzusetzen (Panzerfaust)
- Teams zu 2 Personen als kleinste Zelle können schon grossen Schaden anrichten.
- Die Waffen sind in der Armee bereits eingeführt und es wird seit Jahren daran ausgebildet. Der Grundstock an ausgebildeten Leuten ist schon vorhanden.


Die Mittlere Distanz ist auch mit Waffen ausgerüstet, die in der Armee eingesetzt werden. Das Mg 51 fällt zwar weg, aber die Grenadiere erhalten ein leichtes Mg. Somit ist auch wieder eine Art Grundstock vorhanden.
Die Grosse Distanz ist mit dem halb Zoll ZF von Barrett ausgerüstet. Diese Waffe wird ebenfalls bei den Grenadieren eingeführt. Fehlt noch der M19, das 30mm Granatenmaschinengewehr. Diese Waffe fehlt im Arsenal der Armee.
Die Mittlere und die Grosse Distanz werden in der Armee ausgebildet und auch nur durch die entsprechenden Soldaten eingesetzt. Hier ist auch eine Art Minimum an Waffen und ausgebildeten Leuten vorhanden.
Was fehlt ist die ausgebildete Masse auf der Kurzen Distanz.
Ich verstehe ihr Anliegen nach besseren und weiteren zusätzlichen Waffen. Minenwerfer, Handgranaten, eventuell Sprengstoff will ich aber nicht an die Bevölkerung abgeben, wenn sie nicht gut daran ausgebildet ist. Ich bin der Meinung, dass schon diese 3 Waffen, Richtladung 96 leicht, Panzerfaust und das Sturmgewehr die Personen der Kurzen Distanz an ihre Leistungsgrenzen führen wird.


Kommunikation:
Wäre sicher wünschenswert, wenn sie besser organisiert werden könnte. Wenn ich aber alle Wünsche erfüllen würde, ist das Fuder sicher so überladen, dass die Überforderung der Personen der Kurzen Distanz noch grösser würde.
Darum lasse ich das im Moment weg. Ich komme am Ende nochmals darauf zurück.


Uniformen:
Die Personen der Kurzen Distanz brauchen keine Uniform, da sie innerhalb der besiedelten Gebiete eingesetzt sind und sich dort als Zivilisten bewegen.
Die anderen Distanzen haben ihre Uniform noch aus der aktiven Armeezeit und falls sie noch aktive AdA's sind, sind sie ausrüstungsmässig auf dem neuesten Stand.
Da ja eine Vorbereitungszeit eingeplant ist für Ausbildung und Ausrüstung dieser Distanzen (Mittlere, Grosse und unterer Luftraum), können die noch fehlenden Uniformen nach Abschluss der Ausbildung abgegeben werden.


Alpenraum:
In meinem Konzept ist der Alpenraum der am leichtesten zu verteidigende Raum innerhalb der Schweiz. Für den Gegner ist es der am schwersten zu besetzende und zu haltende Teil der Schweiz.
Zentral sind dort auch alle relevanten Passübergänge, Strassen und Bahntunnel, die eine Rolle in der Nord- Süd Achsenverbindung stellen.
Diese Passagen sind nicht nur gut geschützt durch ihre Lage (passiver Schutz), sie sind auch mit wenigen Mitteln gut zu schützen gegen feindliche Angriffe.
Sollten die Verbindungen durch Zerstörung unterbrochen werden, sind sie für den Gegner ein viel grösseres Problem als für uns. Sein Ziel ist es ja die Achsen zu benützen und nicht sie zuerst zu zerstören und anschliessend in jahrelanger Arbeit, und unter Umständen unter Feuer wieder in Stand zu setzen.
Wie viele Truppen genau zur Verteidigung benötigt werden, müssen die Fachleute festlegen. Es dürften sicher nicht die 3 Geb. Div. sein, die wir in der Armee 95 hatten. Auch die in der Armee XXI aufgestellten 3 Geb. Inf. Brigaden sind sicher an der oberen Grenze, zumal sie ja auch im Mittelland einsetzbar sein sollten.
Ich will im Weiteren, genau diesen Raum auch für meine weiteren Bedürfnisse benützen. Im Alpenraum will ich auch alle nötigen Anlagen bauen, die ich zur Waffen und Munitionsherstellung brauche.
Im Weiteren kann die Armee, die sich mit dem ganzen Material in diesen Raum zurückgezogen hat, das nicht für die Verteidigung des Alpenraumes benötigte Material in den unzähligen Tunnels und weiteren von der Armee gebauten Anlagen unterbringen.
Die nicht zur Verteidigung des Alpenraumes benötigten Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere, werden dann entlassen, um sich mit Waffen und Munition den entsprechenden Formationen der Widerstandsarmee anzuschliessen.
Die Frontlinie entlang des Alpenraumes ist nicht ein Schützengraben wie man es sich vielleicht vom 1. Weltkrieg her vorstellt.

Allein schon durch die Geographische Lage sind viele Gebiete nicht für den Mechanisierten Kampf geeignet. Wenn man die Frontlinie als Frontraum bezeichnen würde, käme man meiner Idee schon um einiges näher. In Gebieten, die für den Infanterie / Jagdkampf geeignet sind, soll der Abwehrkampf entsprechend den besten Möglichkeiten geführt werden, ohne feste Linien. Einfallsachsen, die schwer zu verteidigen sind, könnte man durchaus mit grösseren Zerstörungen sichern.
Es ist schlichteweg nicht möglich, im Voraus genau festzulegen, was, wann und wo genau zu tun ist. Das hängt ja auch zum grossen Teil davon ab, wie erfolgreich die Widerstandsarmee den Gegner bekämpft. Wie sie seine Mittel zerstört, bindet und ihn schlussendlich daran scheitern lässt, weil er, angelangt am Alpenraum, nicht mehr genügend Mittel für den finalen Angriff hat.
Will ein Gegner den Alpenraum einnehmen, um die Verkehrsachsen zu benützen, kann es sicher nicht in seinem Interesse sein, diese zu zerstören. Er will sie möglichst unbeschädigt. Das heisst für uns, die Achsen sind ein relativ gut geschützter Raum. Wenn ich also mein Armeematerial in Tunnels und an sonst gut geschützten Orten einlagere, ist es relativ gut geschützt. Würde er einen Tunnel voll Fahrzeugen und anderem Material mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen, zerstört er auch gleichzeitig die Strasse und den Tunnel. Uns bliebe dann noch die Möglichkeit den Rest in die Luft zu jagen. Das würde aber dem Gegner mehr schaden als nützen.
Gelingt es uns, unser Material und unsere Truppen dort unterzubringen, wo im Zerstörungsfall für den Gegner die grössten Schäden entstehen würden, müsste er sich schlussendlich selber fragen, ob sich der ganze Aufwand noch lohnt.
In einem solchen Fall, denke ich, spielt die Luftverteidigung mit modernsten Mitteln, (S300/400 und das neue Französische System), eine eher untergeordnete Rolle. Ich bin der Meinung, wir brauchen diese Systeme nicht extra für diesen Fall zu beschaffen.
Falls für die Armee XXI das Französische System mal beschafft wird, kann es im Alpenraum eingesetzt werden. Wobei anzunehmen ist, es wird sicher nicht sehr lange überleben. Wie sie sagen, wird ein Gegner die absolute Lufthoheit zu erreichen versuchen. Darum wird dieses Luftverteidigungssystem ein erstrangiges Ziel sein, dass es zu vernichten gilt.


Raketenartillerie:
Man muss den Krieg zum Feind tragen. Dies ist ein treffender Satz für meine Idee.
Ich versuche mit meiner Widerstandsarmee den Abwehrkampf so zu führen, dass nicht allzu viele gravierende Schäden an Menschen und Umwelt in der Schweiz entstehen. Ich versuche zu verhindern, dass ein Gegner seine Mittel einsetzen kann, die auch grosse Langzeitprobleme mit sich bringen. Zum Beispiel Uran Munition Kal. 30 mm, die mit der Kanone der A10 verschossen wird, oder Clusterbomben mit den fast unzähligen Tochtergeschossen, die eine sehr hohe Blindgängerrate haben.

Da fehlen dem Gegner die Ziele in der Schweiz. Wir bieten dem Gegner diese Ziele nicht, aber er bietet sie uns an. Da diese Ziele im Ausland sind, also im nahen Grenzraum, müssen wir absolut keine Rücksicht nehmen. Im Gegenteil, wir können mit grösster Rücksichtslosigkeit auf seinem Territorium Artillerie Raketen mit Kanistermunition einsetzen. Die Probleme mit den Blindgängern haben dann nicht wir, er wird damit umgehen müssen.
Die SP hat in einer Studie in den 90er Jahren einmal selber von 60 Mehrfachraketenwerfern gesprochen. Wie viele wir heute brauchen würden, kann ich nicht beurteilen. Ich denke es sollten mindestens 2 bis 3 Abteilungen zu 3 bis 4 Batterien à 4 Werfer sein.
Eine gut ausgebildete und hoch motivierte Truppe sollte in der Lage sein, eine Werferbatterie in Stellung zu bringen und die 5 bis 7 Raketen pro Werfer in kürzester Zeit, 3 bis 5 Minuten, abzufeuern.
Der Zeitbedarf sollte auch nicht länger sein wie bei einer kawestierten M 109 Batterie. Die Distanzen zwischen den Werfern können auch gegen 400m bis 600 m sein.
Ein MLRS muss nicht unbedingt auf einem Kettenfahrzeug montiert werden. Das nachladen besteht nur aus dem Auswechseln des Raketenkanisters. Lastwagen mit Containern sind im heutigen Strassenverkehr nichts Ungewöhnliches. Diese MLRS Lastwagen können sicher mit minimalem Aufwand zivilisiert werden. Tarnen und täuschen ist nicht verboten.
Bei gleichem Zeitaufwand zum Erstellen der Feuerbereitschaft (MLRS und M 109) steht die Artillerie im Alpenraum nicht schlechter da, als die Artillerie im Mittelland.
Im Gegenteil, im Alpenraum können die Werfer besser geschützt werden.


Logistik:
Die Waffen und die Munition für die Kurze Distanz werden gestaffelt, je nach Bedrohungslage in die Dörfer und Städte ausgeliefert. Dort werden sie je nach Bedrohungslage an die Bevölkerung abgegeben. Die Mitglieder der Widerstandsarmee können dann die Waffen so verstecken wie sie es für gut hält
Mengenmässig ist das gar nicht so viel. Die zivilen Logistikunternehmen können mit normalen Lastwagen diese Güter transportieren.
Zum Beispiel eine Kiste mit 3 Richtladungen komplett wiegt nur 23 Kg. Die schwere Richtladung, 1 pro Kiste wiegt 37 Kg.
Die Panzerfaust (Verpackungseinheit) wiegt mit Abschussgerät ca. 20 Kg. Ist also leicht zu transportieren. Ein Sturmgewehr mit 5 vollen Magazinen wiegt weniger als 10 Kg.
Bei diesen Waffengewichten können in der Vorbereitungsphase enorme Mengen an die Widerstandsarmee abgegeben werden. Ist mir schon klar, dass der Gegner durch suchen einiges finden wird. Nur, kreative Kämpfer könnten ja ein „Waffenlager“ mit Richtladungen dekorieren und somit dem Gegner diverse unangenehme Überraschungen bereiten.
Der Kampf der Widerstandsarmee läuft nicht als grosse und offene Feldschlacht mit einem grossen Material und Munitionsverbrauch. Somit ist Nachschub nicht ein vorrangiges Problem.


Die Mittlere und die Grosse Distanz, sowie der Untere Luftraum werden von der Armee direkt versorgt. Die Widerstandskämpfer erhalten die Waffen nach der Ausbildung in der Vorbereitungsphase und können sie dann mit nach hause nehmen. Das noch fehlende Material wird ebenfalls sofort nachgeliefert.
Mit der sehr hohen Grundausstattung sollte der Kampf relativ lange geführt werden können.
Nachschub aus dem Alpenraum muss nicht in Lastwagenkonvois geliefert werden. In unserem Land gibt es immer wieder Möglichkeiten, Waffen auf Schleichwegen an die Widerstandsarmee zu liefern.


Sanitätsdienst:
Der Kampf kann nicht nach medizinischen Möglichkeiten geführt werden. Er wird entsprechend den Möglichkeiten und Gegebenheiten der Widerstandsarmee geführt. Es ist damit zu rechnen, dass er blutig sein könnte, aber sicher nicht nur für die Widerstandsarmee. Auch ein Gegner wird einen hohen Blutzoll zahlen.


Bevölkerung:
You get what you deserve - oder man erhält, was man verdient!
Will die Bevölkerung kämpfen, so wird sie. Will sie nicht, dann ist es eben vorbei.
Genfer Konvention und die Haager Verträge kann man ruhig vergessen. Es hält sich weder Israel noch die USA daran von den Russen und anderen Staaten ganz zu schweigen. Wir Schweizer sollen uns dafür abschlachten lassen, weil wir uns an diese Regeln halten?
Man kann die Widerstandsarmee mit Regeln den Gesetzen der Genfer Konvention so anpassen, dass sie für den Moment genügen und Gesetzeskonform sind. Was aber dann im Ernstfall gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt.
Die Kreativität der Widerstandsarmee darf auf keinen Fall durch irgendwelche Gesetze oder Verträge behindert oder eingeschränkt werden. Das wir Kriegsverbrechen begehen werden, halte ich für unwahrscheinlich.
Beispielweise Kriegsgefangene, in meinem Szenario ist es eher unwahrscheinlich, Gefangene zu machen. Sie wären nur eine Belastung, also kann man sie markieren und wieder laufen lassen, falls sich ein paar ergeben sollten.
Ob die Leute zuerst mit Propaganda gefüttert werden müssen, bezweifle ich. Ich denke, es hat genug, die mitmachen wollen.
Auch ist es von Vorteil, wenn Teile mit dem Gegner kollaborieren und für ihn arbeiten. Das gibt wiederum die Möglichkeit diese Gruppe zu unterwandern und die Kollaborateure als Türöffner zu gebrauchen. Am Schluss weiss der Besatzer nicht, wer auf seiner Seite steht. Siehe Irak. Man schätzt, dass mindestens 10% der Armee und Polizei vom Widerstand unterwandert ist.


Führung:
Wenn man sieht, wie die Palästinenser den Befreiungskampf gegen die Israelischen Besatzungstruppen führen, stellt man schnell fest, dass sie sehr oft die Führung verlieren und den Kampf unterbrechen. Sie müssen sich wieder eine neue Führung geben und dann beginnt das Spiel wieder von vorne.
Der Befreiungskampf ohne eine Führung hat sehr grosse Vorteile. Ein Gegner hat nicht eine Führung als Gegner und Verhandlungspartner, er hat hunderttausende von Kämpfern und Führern mit denen er sich befassen muss.
Zudem handeln sicher viele der Kämpfer nach eigenem Empfinden, nach eigenen Regeln und Ideen. Ein Dorf fasst alle 3 Distanzen zusammen und bildet eine gemischte Truppe. Ein anderes wählt einen anderen Weg. Wie soll eine Besatzungsmacht hier noch eine klare Linie finden?
Ich nenne meine Idee ja auch, Das Organisierte Chaos.
Unter solchen Voraussetzungen ist es für einen Gegner fast unmöglich, den Krieg zu beenden.


Schlussbetrachtung:
Ich teile ihre Schlussfolgerung nicht. Im Gegenteil, die Schweiz mit einer Widerstandsarmee als Ergänzung zu einer abgespeckten Armee XXI hat ein enormes Abschreckungspotential.
Unsere Armee XXI ist zu schwach, um das Land wirkungsvoll zu verteidigen. Auch wenn man sie verdoppeln würde, die Ausrüstung verbessern und den Ausbildungsstand erhöhen würde, es wird niemals reichen.
Die Möglichkeiten der Armee sind für den Gegner einschätzbar und er müsste einfach ein entsprechendes Potenzial bereitstellen.
Die Schwäche der meisten Invasoren liegt in der Besatzungsphase. Das beste Beispiel ist Israel. Die Juden führen seit Jahrzehnten einen Kampf gegen die Befreiungskämpfer der Palästinenser. Die Supermacht hat nach 18 Jahren Kampf den Südlibanon Hals über Kopf verlassen. Im Moment ist Sharon daran, den Gazastreifen zu räumen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Westbank, der Golan und die Shebafarmen geräumt werden müssen. Militärische Macht kann auch zur Ohnmacht werden. Der Besetzte hat Zeit in Hülle und Fülle. Der Besetzer kann es sich wirtschaftlich niemals leisten, seine Armee voll mobilisiert während Jahren im Einsatz zu halten.
Wir sollten uns nach den gegnerischen Schwächen richten und nicht nach seinen Stärken! Was nützt uns eine Armee XXI, die uns im Jahr 4 bis 4.5 Milliarden Franken kostet, wenn ein Gegner sein Potential immer unseren Möglichkeiten anpassen kann?
Warum also nicht eine stark abgespeckte Armee XXI, die vielleicht noch 50'000 Mann hat und gut ausgerüstet ist, um kommende Natoeinsätze zu unterstützen?
Der Rest des Geldes wird in die Infanterieausbildung der Widerstandsarmee investiert? Diese Widerstandsarmeeinfanterie könnte dann der Grundstock sein. Man könnte sie für verschiedene zusätzliche Dienste ausrüsten und einsetzen. Beispielsweise um ein minimales Kommunikationsnetz aufzuziehen. Die Verbindungen zwischen Nachbardörfern herstellen, um die Widerstandskämpfer auf dem Laufenden zu halten. Ich habe im Kapitel Ergänzungen der Armee XXI, auf verschiedene Möglichkeit hingewiesen und sie auch etwas detaillierter beschrieben.


Ernst Frieden


---
Sehr geehrter Herr Frieden,

Ich habe mir Ihr Konzept von der „Widerstandsarmee" durchgelesen und mal ein paar Punkte aufgeschrieben, wie ich die Idee insgesamt beurteile. Insgesamt stehe ich dem Vorschlag sehr skeptisch gegenüber; ich habe mir aber doch die Mühe gemacht, mich mal ein bisschen damit auseinanderzusetzen, Fragen zu stellen, Ergänzungen zu machen und Kritik zu üben.


Bedrohungslage

Nur ein Staatenbündnis, welches aus Nachbarn der Schweiz besteht, könnte Interesse daran haben, die Verkehrsachsen im Alpenraum zu besetzen. Zudem ist von einem Gegner die Rede, der 24 Stunden am Tag Luftaufklärung betreibt; falls die totale Lufthoheit noch nicht gewährt ist, wäre dies nur mit Satelliten und hoch fliegenden UAV à la RQ-4AGlobal Hawk (oder EADS Eagle) möglich. Somit kommen als Gegner nur die NATO oder allenfalls die EU in Frage. Die USA im Alleingang schliesse ich aus, da sie keine Verbündeten in unserer Nachbarschaft für ein solches Unternehmen gewinnen könnten, nicht mal Berlusconi.
Weder die NATO noch die EU werden uns je angreifen; es ist nicht auszuschliessen, dass wir früher oder später bei einer (oder beiden) dieser Organisationen Mitglied werden. Beziehungen werden jedenfalls gepflegt, via Bilaterale und NATO PfP.
Fazit: Das Szenario einer Besetzung ist momentan TOTAL UNREALISTISCH! Aber in zwanzig Jahren, wer weiss...(daher haben wir ja auch noch eine Armee).


Gesetzt den Fall, dass es doch passiert:


Ausrüstung

Bei den für die Widerstandskämpfer zu beschaffenden Waffen stimme ich mit Ihnen weitgehend überein. Man müsste vielleicht noch leichte Mörser und Handgranaten mit einbeziehen, damit auch eine gewisse Flächenwirkung bewirkt werden kann. Und dann gilt es natürlich auch, diese leichten Waffen auf einem modernen Stand zu halten. Wie lange man mit einer PAL 77 Dragon noch MBTs knacken kann, weiss ich nicht; es gibt aber inzwischen wesentlich modernere Systeme in dem Bereich, z. B. die Brimstone.
Daneben braucht es aber haufenweise andere Ausrüstungsgegenstände, welche vielleicht nützlich wären. Aufklärungselektronik in Form von Nachtsichtgeräten, Restlichtverstärkern, Richtmikrofonen, etc. wäre vor allem für den Kampf auf grosse Distanzen, also für die Sniper, unabdingbar. Der Gegner würde solche Mittel nämlich auch einsetzen. Aus dem Irakkrieg kamen teilweise (für die irakischen Verteidiger) entsetzliche Berichte, wonach kleine Teams der Koalitionstruppen unbemerkt feindliche Stellungen ausgehoben haben, auf grosse Distanz, unter Einsatz solcher Geräte, über welche die Iraker eben nicht verfügten.
Für die Zukunft muss dazu auch der Einsatz von Kleindrohnen in Betracht gezogen werden, sowohl was Einsatz wie auch Abwehr solcher Systeme betrifft. Die USA erproben momentan sozusagen ferngesteuerte Modellflugzeuge für Luftnahaufklärung, von kleinen Bodenteams gesteuert. Wohlgemerkt, ich schreibe hier nicht von einem System wie die ADS 95, sondern von wesentlich kleineren Systemen. Dabei handelt es sich (noch) um Zukunftsmusik; gerade für eine Widerstandsarmee ohne schwere Waffen und ohne Luftwaffe könnte so ein „Spielzeug" aber von grossem Vorteil sein (Stichwort kreative Kriegsführung).

Ganz wichtig wäre auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Widerstandskämpfern einer Ortschaft. Diese muss funktionieren, der Einsatz von elektronischem Gerät ist also unvermeidlich. Man muss davon ausgehen, dass das Telefon-/Mobiltelefonnetz nicht mehr funktioniert, also muss jede Widerstandsgruppe über ausreichend Funkgeräte verfügen können. Andererseits sind koordinierte Angriffe aus verschiedenen Gebäuden in einem Dorf oder einer Stadt stark erschwert.

Noch ein Punkt zur Ausrüstung wäre das Tenue der Kämpfer. Im Ortskampf würden sie in Zivil kämpfen, ganz nach Guerilla-Taktik. Es darf aber nicht vergessen werden, dass zu jeder Ortschaft auch freie Natur, bzw. Agrarlandschaft gehört. Also braucht jeder Kämpfer zusätzlich eine volle Tarnausrüstung, um auch in solchem Gelände operieren zu können.


Alpenraum

In Ihrem Szenario nimmt der Alpenraum seine traditionelle Rolle als Festungsraum ein. Sie wollen von dort aus Angriffe regulärer Truppen führen, die Verkehrsachsen direkt schützen, schlagen den Einsatz von Langstreckenartillerie vor und möchten den Widerstand von dort aus versorgen.
Die Mittel, die dafür aufgewendet werden müssen, sind enorm. Da es sich bei den Verteidigern dort eben um eine „sichtbare" Truppe handelt, müssten Täusch- und Tarnanlagen, Unterschlüpfe und ausgebaute Stellungen FÜR ALLE sich dort befindlichen Einheiten errichtet werden. Der Gegner dürfte keine uneingeschränkte Lufthoheit haben, sonst wäre der Einsatz von Raketenartillerie wie MLRS bzw. das Sammeln von Truppen für Gegenstösse von vorne herein unmöglich. Das wiederum bedingt eine starke Luftabwehr im Alpenraum, sowohl im Kurz-, als auch im Langstreckenbereich. Mit ein paar Stinger kann man zwar Hubschrauber und Tiefflieger aufhalten, für eine B-52 reichts aber nicht. Langstreckenluftabwehr ist jedoch sehr kostspielig, zudem sollte sie auch noch mobil sein als kleines Plus. Es gibt Systeme, die sehr effektiv sein sollen in dieser Hinsicht, etwa das russische S-300/400.
Der starken Luftabwehr im Alpenraum liegt ein Dilemma zugrunde: heutzutage greift praktisch keiner mehr an, wenn er nicht die Lufthoheit hat (ausser vielleicht die Russen, siehe Tschetschenien). Die Luftabwehr würde also VOR einer Besetzung des Landes ausradiert, stünde also für das Szenario nicht mehr zur Verfügung. Somit muss der Alpenraum neu beurteilt werden, denn schwere Waffen können dort nur versteckt werden, sobald sie aus ihren Löchern rauskommen, werden sie vermutlich schnellstmöglich aus der Luft zusammengeschossen.

Logistik

Wie wollen Sie die Widerstandskämpfer versorgen? Sie schreiben, dass die Ausrüstung schon vor Kriegsausbruch, bei einer verstärkten Krisensituation, verteilt werden soll. Wie siehts aber mit dem Nachschub während des Konflikts aus? Ich nehme an, in ihrem Szenario wären versteckte Nachschublager in jeder Widerstandszone schon vorhanden, oder müssten jedenfalls vor dem Krieg errichtet werden (vielleicht haben sie das auch schon vorgeschlagen und ich habs einfach überlesen). Das wäre dann eine ähnliche Situation wie im Irak heutzutage. Allerdings werden auch dort immer wieder Waffenlager entdeckt und ausgehoben, obwohl das für die Besatzungstruppen ein langwieriges und mühsames Unternehmen ist, da selbstverständlich immer wieder neue Lager angelegt werden. Auch bei einem Guerilla-Krieg mit Gelegenheitskämpfen sind solche Depots aber mal leer und müssen wieder aufgefüllt werden. Wenn das Land jedoch besetzt ist, wird das alles andere als einfach; die Besatzer würden rigorose Strassenkontrollen durchführen, und in der Schweiz kann man eine Alternative wie den Ho-Chi-Minh-Pfad vergessen. Wenn zudem jedes Dorf versorgt werden muss, dann gibt das einen extremen Aufwand. Man müsste sozusagen während der Besatzung regionale Zentren (Städte) mit grösseren Mengen an Ausrüstung beliefern, wovon dann wiederum die Dörfer und Siedlungen ausgestattet werden, natürlich alles „gedeckt getarnt". Sowas halte ich eigentlich für unmöglich. Wahrscheinlicher ist es, dass kurzfristig in allen Widerstandsnestern Engpässe auftreten, wodurch der Widerstand selbst nur sporadisch geführt werden könnte.

Dann gäbe es ja noch die „humanitäre Versorgung". Wenn Kämpfe in allen Dörfern der Schweiz, bzw. überall dort, wo sich Besatzungstruppen aufhalten, stattfinden, dann gibt das für die Rettungsmannschaften ein Albtraumszenario. Sicher, die medizinische Versorgung ist in der Schweiz ausgezeichnet; aber wenn man plötzlich an allen Ecken und Enden des Landes Verwundete versorgen muss? Was ist, wenn die Besatzungsmacht diese Versorgung behindert, weil sie letztendlich den Widerstand fördert? Das Resultat wäre eine humanitäre Katastrophe in der Schweiz.


Bevölkerung

Eine Widerstandsarmee ist auf die eigene Bevölkerung als vitales Unterstützungsmittel angewiesen. Schlupfwinkel, logistische Unterstützung und nicht zuletzt Unterstützung im Kampf sind die Aufgaben derselben. In den Forenbeiträgen wurde mehrfach das Argument gebracht, dass die schweizerische Bevölkerung auf so ein Szenario gar nicht vorbereitet sei. Dem stimme ich teilweise zu; das Konzept unserer Miliz- und Verteidigungsarmee hat die Zivilbevölkerung zwar eigentlich immer in mögliche Kriegskonzepte einbezogen, doch denke ich auch, dass die meisten Zivilpersonen im Kriegsfall und bei Kämpfen möglichst das Weite suchen.
Die Bevölkerung müsste also erst auf ein solches Szenario eingeschworen und ausgebildet werden; in einem sich zuspitzenden Konflikt müsste der Staat das mittels Kriegspropaganda noch fördern (ich benutze den Ausdruck ungern, er trifft aber leider zu).
Ich bin überzeugt, dass im Kriegsfall mehr Leute bereit sind, ihre Heimat zu verteidigen als im Frieden. Greueltaten einer Besatzungsmacht werden durch anhaltenden Widerstand aber gefördert (die Bilder von Abu Ghraib, Tschetschenien und Dutzenden anderen Kriegen sind uns noch in guter Erinnerung). Das mag die Kampfbereitschaft von Zivilisten ebenso erhöhen wie ihre Bereitschaft, zu kollaborieren.
„Kreative Kriegsführung" bedeutet meiner Meinung nach auch grausame Kriegsführung. In einem Guerillakrieg wird die Genfer Konvention als Erstes vergessen (und in welchem Land liegt Genf, bzw. welches Land rühmt sich seiner „humanitären Tradition"?). Wie würden sich Kämpfer im Nahkampf verhalten? Jemanden auf eine gewisse Distanz zu erschiessen dürfte schon schwierig genug sein, aber jemandem die Kehle durchschneiden...?
Trotz Videospielen und Brutalo-Filmen, trotz Kriegstraumata, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Tötungshemmung der Bevölkerung über Nacht einfach drastisch senkt. Längerfristig zwar schon. Aber eine propagandistische und ideologische Vorbereitung der Bevölkerung, mit welcher sie zum Töten aufgefordert werden soll, kann sowas gutgehen?

Die Schweiz als führungslose Guerilla-Nation?

Wir Schweizer haben zwar trotz unterschiedlicher Sprach- und Kulturregionen, trotz Röschti- und Polentagraben einen recht guten Zusammenhalt; das Nationalgefühl ist flächendeckend vorhanden, ich denke auch in der politischen Parteienlandschaft. Ob sich die Gesamtbevölkerung in einem Krieg, wo plötzlich jedes Dorf, jede Ortschaft, jedes Tal, jede Region für sich selbst verantwortlich ist, weiterhin an diesen Zusammenhalt erinnert, wage ich mal in Frage zu stellen. Ich trete hier bewusst auf das Albtraumszenario jeder Nation ein, die einen Guerilla-Krieg erlebt hat oder immer noch erlebt. Die Ideale und das eigentliche Kriegsziel, in diesem Fall die Vertreibung einer Invasionsmacht, sind meist sehr schnell vergessen. Je länger der Krieg dauert, desto unmenschlicher und grausamer wird er, egal ob er „chirurgisch" mit Präzisionsbomben oder mit einem Massaker anfängt. Und je länger er andauert, desto weniger sind die beteiligten Parteien daran interessiert, dass er wieder aufhört. In Tschetschenien blüht der Handel zwischen russischen Soldaten und Widerstandskämpfern, in Liberia, Sierra Leone und im Kongo profitieren Warlords, allesamt (ehemalige) Guerilla-Führer, vom Weitergehen der Kämpfe, da sie in einem anarchischen Zustand von illegalen Geschäften profitieren können, in Kolumbien hat nebst allen anderen Parteien inzwischen auch die FARC (als letzte?) vergessen, weshalb sie vor Jahrzehnten die Waffen gegen die Regierung erhoben hat, scheissegal, Hauptsache weiterkämpfen!
Es soll mir keiner davon anfangen, dass sowas in der Schweiz bei einem unorganisierten Guerilla-Krieg nicht möglich ist! Es soll mir keiner damit kommen, dass die Schweizer eher zu „helvetischen Kompromissen" bereit und daher in der Mentalität eher friedlich sind! Wie schnell aus einem friedlichen Volk eine Bestie werden kann, haben die Deutschen der Welt vor etwa siebzig Jahren wieder einmal in Erinnerung gerufen (obwohl es sich dabei um en totalitäres System handelte, also das ziemliche Gegenteil einer lokal organisierten Widerstandsorganisation).



Ich komme zum Schluss, dass eine Widerstandsarmee diesem Land mehr schaden als nützen würde. Unsere Armee ist traditionell ein Infanterieheer; eine gut ausgebildete und ausgerüstete Infanterietruppe kann ähnliche Aufgaben übernehmen wie eine Gruppe von Widerstandskämpfern. Die zunehmende Bedeutung von SOFs in den Armeen dieser Welt trägt dem Rechnung (erzählen sie mir als Fallschirmaufklärer der Kp17 bitte nicht, dass ihre Truppe nur Aufklärungsarbeit verrichtet, auch wenn das offiziell so festgesetzt ist...). Es gibt zudem den Grundsatz, dass keine Guerilla-Armee einen Krieg gewinnen kann, wenn sie sich mit nicht der Zeit in eine reguläre Armee umwandelt. Sicher, man kann dem Feind als Widerstandsgruppe Nadelstiche zufügen, ihn aber endgültig aus einem Gebiet zu vertreiben ist nur möglich, wenn man die Gegend auch sichtbar besetzt.
Sie weisen darauf hin, dass unser kleines Land sich mit der Zeit keine Streitkräfte leisten kann, die mit einer High-Tech-Armee (z.B. der USA) mithalten können, weil die Waffensysteme immer teurer werden. Ich bin mir da nicht so sicher. Wenn sich die Armee auf eine solche Bedrohungslage einstellt und bspw. die teuren, aber gegen eine moderne Luftwaffe offenbar wirkungslosen, schweren Waffen aufgibt und sich stattdessen auf die Luftabwehr in allen Bereichen sowie auf eine starke Infanterietruppe konzentriert, dann reicht das Geld vielleicht wieder. Die Panzerliebhaber werden mich für diesen Satz hassen und darauf hinweisen, dass grad die leichten Brigaden der Amerikaner im Irak bisher viel grössere Verluste hinnehmen mussten als die schweren Panzerdivisionen, einfach deshalb, weil die schnellen, aber nur leicht gepanzerten Stryker-LAVs (auf Basis von Schweizer Piranhas) praktisch von einer Panzerfaust zerlegt werden können. Trotzdem ist die Zeit der grossen Panzergefechte in der Schweiz wohl vorbei (v.a. bei dem Gelände), also könnte man das Geld, das bei diesen Truppen „verlocht" wird, woanders verwenden. A propos „Verlochen": in unserer Armee wird aufgrund von Vetterliwirtschaft und Kontingentierungsfragen dermassen viel Munition und Treibstoff sinnlos verpufft, dass einem die Haare zu Berge stehen, wenn man davon hört oder es selbst erlebt. Zudem dominieren in Ausrüstungs- und Logistikfragen der Kantönligeist und die protektionistische Einstellung der Armee zum einheimischen Gewerbe. In den WKs wird zudem nur noch gesoffen und rumgehangen. Wenn man bei diesem Sauhaufen mal ordentlich aufräumen und durchmisten würde, käme vermutlich so viel Geld zum Vorschein, dass sich die Schweiz ein erstklassiges High-Tech-Heer leisten könnte, welches schon dafür sorgen würde, dass kein BöFei einfach so durchmarschiert.

-Hunter1-

 

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© Ernst Frieden, Langnau am Albis, Juli 2003
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